Interview mit Thomas Geyer (VfR Aalen)
08.09.2026

Credit: IMAGO / Eibner
Aalens Thomas Geyer: "SSV Ulm kann viel Qualität auf den Platz bringen"
Mit Aufsteiger VfR Aalen und dem ambitionierten Absteiger SSV Ulm 1846 Fußball stehen sich im Rahmen der Englischen Woche in der Regionalliga Südwest am Dienstag ab 19 Uhr zwei Traditionsklubs mit wechselhafter Geschichte im direkten Duell gegenüber. Das Topspiel der Woche vom 6. Spieltag ist vor allem für VfR-Abwehrspieler Thomas Geyer (35) eine besondere Partie. Schließlich schaffte er vor seiner Rückkehr nach Aalen mit dem SSV Ulm den direkten Durchmarsch aus der Regionalliga Südwest in die 2. Bundesliga.
Im Interview der Woche spricht Familienvater Thomas Geyer über die Möglichkeit, Rekordspieler der 3. Liga zu werden, seine berufliche Perspektive beim VfR, den Saisonstart und das bevorstehende Flutlicht-Duell mit seinem früheren Verein.
Hallo Thomas! Du triffst am Dienstag auf Deinen Ex-Klub SSV Ulm 1846 Fußball. Das ist kein Spiel wie jedes andere, oder?
Thomas Geyer: Ganz und gar nicht. Ich hatte sechs sehr erfolgreiche Jahre in Ulm. Vor allem die Aufstiege bleiben in Erinnerung. Wie wir mit den Fans auf dem Münsterplatz gefeiert haben, werde ich nie vergessen. Ich freue mich auch auf das Wiedersehen mit einigen bekannten Gesichtern, auch wenn nicht mehr allzu viele Jungs beim SSV sind, mit denen ich noch zusammengespielt habe.
Die "Spatzen" waren nach der SV 07 Elversberg innerhalb kurzer Zeit das zweite Team, das den Durchmarsch in die 2. Bundesliga geschafft hatte. Was sagt das über die Qualität der Regionalliga Südwest aus?
Geyer: Es kommt nicht von ungefähr, dass die Teams aus der Südwest-Staffel in der 3. Liga regelmäßig gute Rollen oder sogar ganz vorne mitspielen. Man darf ja nicht vergessen, dass beispielsweise auch der SC Freiburg II auf einem eigentlichen Aufstiegsplatz gelandet war. Elversberg spielt mittlerweile bekanntlich sogar in der Bundesliga, während der SSV Ulm ein wenig vom Erfolgsweg abgekommen ist. Auf jeden Fall spielen in der Regionalliga Südwest viele Klubs, die eine große Wucht entwickeln können und sich hinter Drittligisten nicht verstecken müssen.
Du hattest den SSV im Sommer 2025 nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga verlassen, um zum VfR Aalen zurückzukehren. Warum bist Du den Schritt in die Oberliga Baden-Württemberg gegangen?
Geyer: Ich hatte ja schon vor meiner Ulmer Zeit für den VfR gespielt und habe mit meiner Familie weiterhin in Aalen gewohnt. Deshalb war der Wechsel für mich kein Rückschritt, sondern es fühlte sich an, wie nach Hause zu kommen. Außerdem hat mir der Verein auch eine berufliche Perspektive aufgezeigt, was in meinem Alter eine immer größere Rolle spielt.
In der 3. Liga belegst Du den dritten Rang bei den Rekordspielern. Dein ehemaliger Mitspieler Robert Müller wäre als Führender in Reichweite gewesen. Hätte es Dich nicht gereizt, die Spitzenposition zu übernehmen?
Geyer: Selbstverständlich hätte ich nichts dagegen, Rekordspieler der 3. Liga zu werden. Ich muss aber auch realistisch sein. Im März werde ich 36 Jahre. Dennoch gab es in der Tat die Option, zu einem Drittligisten zu wechseln. Das wäre jedoch mit einem Umzug verbunden gewesen und war deshalb für mich keine Option. Wir haben zwei Kinder im Kindergarten-Alter, da verschieben sich die Prioritäten.
Du hast es angesprochen. Parallel zum Fußball bist Du beim VfR auch Leiter Sponsoring. Was schätzt Du an der Arbeit?
Geyer: Ich komme mit vielen Menschen ins Gespräch, bin regelmäßig unterwegs, führe Verhandlungen, bin aber auch oft an meinem Schreibtisch auf der Geschäftsstelle. Ich arbeite gerne hinter den Kulissen, absolviere gerade parallel auch eine Ausbildung zum Sport-Fachwirt. Von daher passt alles sehr gut zusammen. Als zukünftigen Trainer sehe ich mich aktuell nicht, aber im Fußball sollte man nie vorab eine Tür schließen.
Nach dem Aufstieg habt Ihr acht Punkte aus den ersten fünf Partien gesammelt. Wie bewertest Du den Saisonstart?
Geyer: Nach unseren beiden jüngsten Siegen in Mainz und gegen Trier können wir mit dem Start zufrieden sein. Zu Beginn haben wir in einigen Partien noch Lehrgeld gezahlt, was für einen Aufsteiger aber auch normal ist. Unsere Fehler wurden sofort bestraft, auf der anderen Seite fehlte die nötige Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor. Zuletzt haben wir aber wichtige Schritte nach vorne gemacht.
Hat sich Eure Spielweise nach dem Aufstieg verändert?
Geyer: Unser Trainer Beniamino Molinari macht da zwischen Ober- und Regionalliga ganz bewusst keinen Unterschied. Wir setzen weiterhin auf die gewohnten Abläufe. Mit dem Ball klappt es auch schon sehr gut, gegen den Ball hatten wir zunächst einige Probleme. Aber auch in dieser Hinsicht sind wir auf dem richtigen Weg, wie die letzten Spiele gezeigt haben.
Was soll am Saisonende dabei herausspringen?
Geyer: Wir sind Aufsteiger und wollen in der Liga bleiben. Das wird schon schwer genug, denn die Regionalliga Südwest ist für mich so ausgeglichen wie vielleicht noch nie. In der letzten Saison hätte es Kickers Offenbach fast erwischt, jetzt steht der OFC ganz oben. Das bestätigt, was alles möglich ist. Auf uns wartet auf jeden Fall noch viel Arbeit.
Wie ist Dein aktueller Eindruck vom SSV Ulm 1846 Fußball?
Geyer: Der SSV hatte sich den Start sicherlich ein wenig anders vorgestellt. Nach dem erneuten Abstieg gab es aber wieder einen großen Umbruch im Kader, dazu auch einen neuen Trainer. Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Team noch finden muss. Dennoch bin ich überzeugt, dass der SSV sehr viel Qualität auf den Platz bringen kann und auf Dauer auch deutlich erfolgreicher spielen wird. Nur bei uns muss das noch nicht sein. (lacht)
Was wird von Euch gefragt sein?
Geyer: Wir müssen einfach so auftreten wie in den zurückliegenden Spielen und an die gezeigten Leistungen anknüpfen. Mit unseren Fans im Rücken können wir uns dann auf ein Fußballfest unter Flutlicht freuen.
Autor: Ralf Debat/MSPW
