Interview mit Marlon Mustapha (SGV Heilbronn-Freiberg)

24.09.2026

Credit: IMAGO / foto2press

SGV-Torjäger Marlon Mustapha hat "wieder Spaß am Fußball"

Drei Treffer in drei Spielen - und das bei gerade einmal 111 Einsatzminuten: Marlon Mustapha hat schon kurze Zeit nach seinem Wechsel zum SGV Heilbronn-Freiberg Eindruck hinterlassen. Der österreichische Angreifer, der zuletzt beim italienischen Erstligisten und Champions-League-Teilnehmer Como 1907 unter Vertrag stand, hatte in der Regionalliga Südwest einst auch seine ersten Schritte im Herrenbereich gemacht.

Im Interview der Woche spricht der 25-jährige Stürmer vor dem Topspiel des Tabellenzweiten und aktuellen Vizemeisters am Samstag, 14 Uhr, gegen die Stuttgarter Kickers über seine Rückkehr in die Spielklasse.

Hallo Marlon! Beim 3:2-Auswärtssieg in Aalen hast Du in Deinem dritten Einsatz bereits dein drittes Tor erzielt. Hinzu kommen noch zwei Vorlagen. Mal ehrlich: Hättest Du mit einem solchen Start gerechnet?

Mustapha: Es läuft in der Tat noch besser, als ich gedacht hätte. Ich habe sportlich ein schwieriges halbes Jahr hinter mir, so dass ich nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzte. Dennoch war ich schon davon überzeugt, dass ich hier meine Qualitäten wieder zeigen kann. Ich merke auch, wie ich mit jeder Einwechslung besser meinen Spielrhythmus finde. Ich hatte mich drei Monate lang individuell fit gehalten. Da wollten wir noch keinen längeren Einsatz und womöglich eine Verletzung riskieren.

Wie würdest Du selbst Deine besonderen Stärken beschreiben?

Mustapha: Ich bin ein wuchtiger und intensiver Stürmer, der beim Pressing einen hohen Aufwand betreiben kann und keinen Zweikampf scheut. Ich gehe auch mal mit dem Kopf durch die Wand und haue mich in alles rein. Damit bin ich nervig für meine Gegenspieler. Vor dem Tor zeichnet mich auch ein gewisser Instinkt aus.

Was hatte Dich vom Wechsel zum SGV Heilbronn-Freiberg überzeugt?

Mustapha: Vor allem der Austausch mit Trainer Kushtrim Lushtaku. Wir hatten viele und intensive Gespräche. Die vierthöchste Spielklasse war zunächst nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Ich habe mir dann aber einige Spiele des Teams angeschaut und schnell gemerkt, welche Qualität in der Mannschaft steckt. Der Verein hat zweimal in Folge den Aufstieg in die 3. Liga nur knapp verpasst und weiterhin Ambitionen. Ich habe hier den richtigen Ort gesehen, um wieder Spaß am Fußball zu haben. Ab Winter 2025 hatte mich mein Klub Como 1907 nach Österreich zum SCR Altach verliehen - unter anderem, damit ich dort meinen Militärdienst leisten kann. Ich war dann für sechs Monate von 4 bis 17 Uhr in der Kaserne, die ich zwischenzeitlich für die Trainingseinheiten verlassen durfte. Diese intensive Zeit hatte sich dann auch bei meiner sportlichen Situation bemerkbar gemacht.

In der Saison 2020/2021 konntest Du in der Regionalliga Südwest mit sieben Treffern und elf Vorlagen für die zweite Mannschaft des 1. FSV Mainz 05 bereits auf dich aufmerksam machen. Hatte das in Deinen Gedanken eine Rolle gespielt?

Mustapha: Es ist sicherlich ein Vorteil, die Liga bereits zu kennen, anstatt den Wechsel in ein anderes Land zu wagen. Die Südwest-Staffel war aufgrund der professionellen Strukturen eine der wenigen Regionalligen, die während der Corona-Pandemie den Spielbetrieb fortgesetzt hat. Die Qualität war schon damals bei allen Klubs spürbar.

Was konntest Du damals für Deinen weiteren Weg mitnehmen?

Mustapha: Als Jungprofi war es eine extrem wichtige Erfahrung, regelmäßig auf dem Feld zu stehen und erste Erfahrungen im Herrenfußball zu sammeln. Es hat mir total gut getan, mich gegen viele gestandene Gegenspieler behaupten zu müssen.

Schon im Jahr danach warst Du Stammspieler in der höchsten Spielklasse Deines Heimatlandes Österreich. Ging damit ein Traum für Dich in Erfüllung?

Mustapha: Auf jeden Fall. Ich habe während meiner Leihe zum FC Admira Wacker Mödling nicht nur gerade einmal 20 Minuten von meiner Heimat Wien entfernt gespielt. Mein Trainer war währenddessen auch die österreichische Fußball-Ikone Andreas Herzog, von der ich viel lernen konnte. Es war eine sehr schöne und für mich erfolgreiche Zeit.

Danach standest Du auch in der deutschen Bundesliga auf dem Feld. Wie war das für Dich?

Mustapha: Das hat meine Erstliga-Einsätze in Österreich noch übertroffen. Ich wurde unter anderem im Saisonfinale 2022/2023 eingewechselt, als Borussia Dortmund die Chance auf den Gewinn der Deutschen Meisterschaft hatte. Wir haben dort dann aber ein 2:2 geholt. Vor mehr als 80.000 Fans zu spielen, war eine ganz besondere Erfahrung, die ich nie vergessen werde. Das hatte mir noch einmal verdeutlicht, wofür man all die Jahre so intensiv gearbeitet hat. Ich war 15, 16 Jahre alt, als ich meine Heimat Österreich verlassen hatte. Leider hatte ich während meiner Zeit in Mainz auch mit langwierigen Verletzungen zu tun.

Zuletzt standest Du beim italienischen Erstligisten Como 1907 unter Vertrag. Wie war es, mit einem Fußball-Weltstar wie Trainer Cesc Fabregas zusammenzuarbeiten?

Mustapha: Man hat bei ihm direkt gemerkt, was er als Spieler alles erreicht hat. Als Trainer hat er eine ganz klare Idee, wie er Fußball spielen lassen will, und dabei eine wirklich tolle Art, wie er mit der Mannschaft umgeht. Ich habe in Italien viele schöne Eindrücke sammeln dürfen. Dazu zählt zum Beispiel, dass wir zum Auswärtsspiel in Venedig mit dem Boot gefahren sind. Mit meinen Einsätzen in der ersten Saisonhälfte war ich am späteren Sprung in die höchste Spielklasse beteiligt. Und während meiner Leihe in der Rückrunde zu Fortuna Düsseldorf hätte es fast noch mit einem weiteren Aufstieg geklappt.

Beim SGV läufst Du nun mit der ungewöhnlichen Rückennummer "99" auf. Was hat es damit auf sich?

Mustapha: Die Nummer hatte ich tatsächlich auch schon bei Como 1907. Sie ist nicht gewöhnlich - und genau das finde ich daran cool. Und die für Stürmer typische Nummer "9" ist dennoch auch dabei. (lacht)

Nun wartet das Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers. Was für eine Partie kommt da auf Euch zu?

Mustapha: Das wird ein Kracher-Spiel. Durch die räumliche Nähe zwischen beiden Vereinen geht es nicht allein um die Punkte - die Rivalität ist noch ein Stück größer als bei Spielen gegen andere Ligakonkurrenten. Daher gehe ich davon aus, dass auch das Stadion voller als sonst sein wird und es in den Zweikämpfen noch mehr zur Sache geht. Genau solche Duelle mag ich besonders.

Worauf wird es für Euch ankommen?

Mustapha: Wir müssen ganz bei uns bleiben und uns auf unsere Stärken konzentrieren. Mit dieser Herangehensweise konnten wir zum Beispiel 5:0 gegen die zweite Mannschaft des 1. FSV Mainz 05 gewinnen oder auch zuletzt einen Zwei-Tore-Rückstand beim VfR Aalen noch in einen 3:2-Sieg drehen. Wir sind bei der Spielweise flexibel und haben richtig gute Kicker in unseren Reihen. Und in nächster Zeit werden auch einige aktuell verletzte Spieler wieder einsatzfähig sein. Dann hat der Trainer noch mehr Alternativen.

Autor: Dominik Dittmar/MSPW