Interview mit Markus Kauczinski (Trainer SV Sandhausen)

17.09.2026

Credit: IMAGO / foto2press

Neu-Trainer Markus Kauczinski: "Kann beim SVS etwas bewegen"

Mit vier Punkten aus den ersten beiden Partien unter seiner Regie leitete der neue Trainer Markus Kauczinski beim SV Sandhausen nach einem missglückten Saisonstart in der Regionalliga Südwest die Trendwende ein. Nach dem jüngsten Dreier beim SC Freiburg II (2:1) steht nun am Samstag (ab 14 Uhr) das Topspiel der Woche gegen den SSV Ulm 1846 Fußball auf dem Programm. Die Gäste warten nach dem Abstieg aus der 3. Liga noch auf ihren ersten Sieg und rangieren mit drei Punkten am Tabellenende.

Im Interview der Woche spricht der 56 Jahre alte Fußball-Lehrer Markus Kauczinski über seine ersten Eindrücke, eingeleitete Umbaumaßnahmen und den nächsten Gegner.

Hallo Herr Kauczinski! Am Samstag steht das Heimspiel gegen den SSV Ulm 1846 Fußball an. Sehen Sie sich mit Ihrem Team in der Favoritenrolle?

Kauczinski: Wenn man auf die Tabelle schaut, könnte man das vielleicht vermuten. Aber das Tableau hat aus meiner Sicht nach sieben Spieltagen noch keine große Aussagekraft. Wir haben in unseren letzten beiden Partien gezeigt, dass wir etwas können. Aber die Ulmer haben trotz ihres schwierigen Saisonstarts auch etwas zu bieten. Beide Mannschaften sind mit dem bisherigen Saisonverlauf nicht zufrieden, müssen für ihre Ziele und Ambitionen kämpfen. Von daher erwarte ich eine sehr intensive Begegnung.

Wie wichtig wäre es, nach dem Erfolg in Freiburg nun auch vor eigenem Publikum einen Dreier zu landen?

Kauczinski: Siege tun immer gut. Ich habe nach meiner Ankunft gerade die ersten richtigen Trainingseinheiten absolviert. Wir reden viel über Fußball, wollen uns verbessern. Auf das bislang Erreichte können wir aufbauen und müssen schauen, dass wir stabil werden.

Sie sind Anfang September nach zuvor drei Niederlagen neu zur Mannschaft gestoßen. Was hat Sie von der Aufgabe beim SV Sandhausen überzeugt?

Kauczinski: Nach der Insolvenz und dem Zwangsabstieg beim TSV 1860 München war ich frei und hatte Bock auf den Job. Der SVS ist ein ambitionierter Verein, der nach den Abstiegen eine schlechte Phase hat und jetzt wieder anpacken will. Ich habe das Gefühl, dass ich beim SVS etwas bewegen kann.

Was waren Ihre ersten Maßnahmen?

Kauczinski: In den ersten Tagen nach meinem Amtsantritt hatte ich wegen der Englischen Woche gar keine Zeit, Dinge zu trainieren. Nach 15 Gegentoren war es zunächst wichtig, der Mannschaft Sicherheit zu geben, damit wir defensiv gut stehen und gemeinsam verteidigen. Wir haben auf Fünferkette umgestellt und Kapitän Marco Kehl-Gomez aus dem Mittelfeld in die Abwehrzentrale gestellt.

Sie sind mit dem SVS nach dem 0:0 gegen Vizemeister SGV Heilbronn-Freiberg und dem 2:1-Auswärtserfolg beim SC Freiburg II noch unbesiegt. Wie würden Sie Ihre ersten Eindrücke beschreiben?

Kauczinski: Gegen den Vizemeister aus Heilbronn-Freiberg mussten wir fighten und haben gesehen, dass man mit Leidenschaft vieles ausgleichen kann. Das war schon ein ganz wichtiger erster Schritt. In Freiburg sind wir in der ersten Halbzeit fast nur hinterhergelaufen, haben uns im zweiten Spielabschnitt aber deutlich gesteigert. Das Gegenpressing war gut und wir haben das Tempo hochgehalten.

Sie trainieren mit dem SVS erstmals einen Verein aus der Regionalliga Südwest, waren auch zuvor nur zu Beginn Ihrer Trainerkarriere beim Karlsruher SC II in der damaligen Regionalliga Süd tätig. Müssen Sie sich nach vielen Jahren in den ersten drei Ligen an die neuen Umstände erst gewöhnen?

Kauczinski: Ich habe mich ganz bewusst darauf eingelassen und wusste, was mich erwartet. Als Trainer nehme ich beispielsweise 30.000 Fans in einem großen Stadion gar nicht richtig wahr, weil ich den Fokus immer komplett auf mein Team gerichtet habe. Das ändert sich auch in einer anderen Liga nicht. Außerdem können wir in Sandhausen unter absoluten Profibedingungen arbeiten. Ich nehme es als Auftrag, unser eigenes Stadion Stück für Stück durch sportliche Erfolge wieder etwas voller zu machen.

Wie gut kannten Sie zuvor die Regionalliga Südwest?

Kauczinski: Nachdem klar war, dass mich mein neuer Job in die Regionalliga führen wird, habe ich mich intensiver damit auseinandergesetzt und mir Mannschaften aus meiner Umgebung angeschaut. Ich habe seit 2001 meinen Lebenspunkt in Karlsruhe. Als Trainer ist es einfach Pflicht, auf dem Laufenden zu bleiben.

Wie bewerten Sie die Spielstärke der Liga?

Kauczinski: Die Mannschaften, die in der Regionalliga Südwest oben stehen, sind nicht weit weg von Drittliganiveau. In der Kaderbreite und in der individuellen Qualität gibt es jedoch größere Unterschiede.

Sie haben es bereits angesprochen: Ihr jüngstes Engagement beim TSV 1860 München in der 3. Liga endete sehr plötzlich durch den Zwangsabstieg der "Löwen". Wie sehr hat Sie das getroffen?

Kauczinski: Ich hatte noch einen Vertrag bei den "Löwen" und mich darauf gefreut, dort etwas aufzubauen. Nach der Insolvenz war ich plötzlich raus und ohne Job. Das kam total überraschend, keiner hatte damit gerechnet. Die Entwicklung wirkte auch unlogisch und hat mich traurig gemacht.

Als gebürtiger Gelsenkirchener begann ihre Trainerlaufbahn im Nachwuchsbereich des FC Schalke 04. Seitdem kamen Sie durch Ihre verschiedenen Stationen in Deutschland schon viel herum. Wie kann es sein, dass Sie aber noch nie einen Verein im Fußball-Westen als Cheftrainer betreut haben?

Kauczinski: Die Frage drängt sich auf und ist auch durchaus berechtigt. Als U 16-Trainer hatte ich Schalke 04 damals verlassen. In meiner Region rund um Karlsruhe habe ich mir dann einen Namen gemacht und meine Karriere nachhaltig aufgebaut. Speziell im Süden habe ich meinen Ruf als guter Trainer mit verschieden Erfolgen unterstrichen. Es gab sicherlich auch mal die Möglichkeit, zu einem Klub im Westen zu wechseln. Es kam aber letztlich nicht zustande.

Zurück zur Aktualität: Vor der Saison war der SV Sandhausen als Top-Favorit auf die Meisterschaft gestartet. Wie würden Sie die Ambitionen aktuell beschreiben?

Kauczinski: Unser Ziel ist es zunächst einmal, guten Fußball zu spielen. Wir wollen als Mannschaft agieren, der man gerne zuschaut. Dabei wollen wir natürlich so erfolgreich wie möglich sein. Als Tabellenzwölfter verbietet es sich, über den Aufstieg oder ähnliche Ambitionen zu reden.

Wie ist Ihr aktueller Eindruck vom SSV Ulm 1846 Fußball, auf den Sie in der letzten Saison noch in der 3. Liga trafen?

Kauczinski: Der SSV-Kader war in der zurückliegenden Saison personell noch ganz anders besetzt. Die Ulmer haben sich den Saisonverlauf sicherlich ebenfalls ganz anders vorgestellt. Aufgrund der Qualität gehe ich aber davon aus, dass die Mannschaft nicht dauerhaft unten in der Tabelle bleiben wird.

Bisher konnten Sie alle vier Duelle mit dem SSV Ulm für sich entscheiden. Worauf wird es für ankommen, damit die Serie hält?

Kauczinski: Wir müssen vor allem bei uns bleiben, weiter heiß und leidenschaftlich sein.

Autor: Peter Haidinger/MSPW