Interview mit Holger Bachthaler (Trainer Stuttgarter Kickers)

06.08.2026

Neuer Stuttgarter Kickers-Trainer Holger Bachthaler: "Liga ist so stark wie nie"

Die Saison 2026/2027 in der Regionalliga Südwest wird am Freitag (ab 19 Uhr) mit dem Topspiel der Woche zwischen den Stuttgarter Kickers und dem SSV Ulm 1846 Fußball offiziell eröffnet. Beide Vereine sind ehemalige Bundesligisten und starten mit ambitionierten Zielen in die neue Spielzeit. Im GAZI-Stadion auf der Waldau wird beim Aufeinandertreffen der beiden Traditionsklubs eine große Kulisse erwartet.

Im Interview der Woche spricht der neue Stuttgarter Trainer Holger Bachthaler über den Saisonstart, das Wiedersehen mit seinem früheren Klub und die Ziele mit den Kickers.

Hallo Herr Bachthaler! Am Freitag startet die Regionalliga Südwest in die neue Saison. Wie macht sich das auch im Training bemerkbar?

Bachthaler: "Wir haben eine intensive Vorbereitungsphase absolviert und freuen uns, dass es nun am Freitag endlich mit einem Heimspiel losgeht. Die Jungs machen einen sehr engagierten und konzentrierten Eindruck im Training. Die Saison kann starten!"

Sie sind im Sommer neu zur Mannschaft gestoßen. Was waren Ihre ersten Maßnahmen?

Bachthaler: "Wenn man als Trainer neu zu einem Verein kommt, ist es zunächst einmal sehr wichtig, die Spieler, das Trainerteam, den gesamten Staff und die Mitarbeiter im Verein kennenzulernen und zwischenmenschlich gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Ich persönlich wurde sehr gut aufgenommen und fühle mich absolut wohl bei den Kickers. Bei der Arbeit mit der Mannschaft stand im Vordergrund, gemeinsam eine Herangehensweise zu entwickeln, in der sich die Spieler wohlfühlen. Wir sind diesbezüglich auf einem guten Weg, aber natürlich noch nicht am Maximum."

Ihre zweite Amtszeit beim FV Illertissen, bei dem Ihr Vater Karl-Heinz Sportlicher Leiter ist, endete nach knapp vier Jahren. Wie schwer ist Ihnen der Abschied gefallen? Gab es Verständnis für den Wechsel?

Bachthaler: "Die Zeit in Illertissen war sehr erfolgreich, wir durften viele schöne Momente gemeinsam erleben und feiern. Dennoch war der richtige Zeitpunkt für mich gekommen, um eine neue sportliche Herausforderung anzugehen. Der Austausch mit den Verantwortlichen war sehr offen. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass mir bei meinem Abschied die Ehrenmitgliedschaft verliehen wurde."

Was hat Sie an der Aufgabe bei den Stuttgarter Kickers überzeugt?

Bachthaler: "Die Stuttgarter Kickers verfügen für einen Regionalligisten über sehr professionelle Strukturen, eine tolle Fanunterstützung und eine große Tradition. Man spürt, dass der Verein in Stuttgart sehr großen Zuspruch erfährt. Außerdem habe ich mit Lutz Siebrecht einen absoluten Fußballfachmann an meiner Seite. Gemeinsam werden wir alles dafür tun, um den größtmöglichen Erfolg zu erreichen."

Von Ihrem vorherigen Verein sind Ihnen mit Verteidiger Malik Sama und Angreifer Yannick Glessing zwei Spieler nach Stuttgart gefolgt. Was erhoffen Sie sich von den beiden Zugängen?

Bachthaler: "Mit Yannick haben wir einen sehr zielstrebigen und in der Offensive variabel einsetzbaren Spieler bekommen, der sich wie alle Neuzugänge super einbringt und für uns ein wichtiger Faktor werden kann. Malik ist sehr talentiert und bringt viele Eigenschaften mit, die im Fußball von einem modernen Abwehrspieler gefordert werden. Ich bin sehr gespannt, welche Entwicklung er noch gehen wird. Leider ist er in den kommenden Monaten aufgrund einer Verletzung nicht einsatzfähig."

Worauf legen Sie bei der Spielweise Ihrer Mannschaft besonderen Wert?

Bachthaler: "Grundsätzlich möchte ich, dass wir aktiv Fußball spielen - mit einer klaren Struktur im Spiel gegen den Ball und dem Fokus, über Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte zum Torerfolg zu kommen. Nicht weniger wichtig ist aber, dass die Mannschaft auch im eigenen Ballbesitz die Qualität besitzt, Torchancen herauszuspielen. Fußball ist ein interaktives Spiel mit vielen Ballbesitzwechseln. Daher gilt es grundsätzlich für alle Spielphasen, klare Abläufe und Prinzipien zu entwickeln.

Das erste Pflichtspiel als Kickers-Trainer liegt im Verbandspokal hinter Ihnen. Den Wettbewerb konnten Sie - regionenübergreifend - bereits fünfmal gewinnen. Haben diese Partien einen besonderen Reiz für Sie?

Bachthaler: "Der Pokalwettbewerb ist immer etwas Besonderes. Ich hätte nichts dagegen, wenn während meiner Zeit als Kickers-Trainer ein weiterer Pokaltitel dazukommen würde. Wir werden den Pokal sehr gewissenhaft angehen und werden alles dafür tun, auch am kommenden Dienstag mit einem Sieg gegen den FC Rottenburg in die nächste Runde einzuziehen."

Zum Liga-Auftakt kommt es nun zum Wiedersehen mit dem SSV Ulm 1846 Fußball. Wie denken Sie an Ihre Zeit bei den "Spatzen" zurück? Bleibt das DFB-Pokalspiel gegen Frankfurt ewig in Erinnerung?

Bachthaler: "Bei meinem Einstieg in Ulm hatten wir zum damaligen Zeitpunkt viele Herausforderungen zu bewältigen. Neben der sportlichen Entwicklung - die Mannschaft befand sich auf dem neunten Tabellenplatz - galt es, die Professionalisierung voranzutreiben und den Abstand zu den Spitzenteams in der Liga zu verkürzen. Alles in allem war die Zeit mit drei WFV-Pokalsiegen und dem zweimaligen Erreichen der zweiten DFB-Pokal-Runde sehr erfolgreich. Ich habe die Zeit als Trainer dort sehr genossen.

Haben Sie nach Ihrem Abschied weiterhin den SSV verfolgt?

Bachthaler: "Natürlich habe ich den Weg und die Entwicklung in Ulm stets im Blick. Leider ist auf den Abstieg aus der 2. Bundesliga in der folgenden Saison auch noch der Abstieg aus der 3. Liga gefolgt. Dennoch: Die Ulmer haben in den letzten Jahren viel Fanzuspruch erfahren und werden auch den neuerlichen Umbruch erfolgreich bewältigen. Davon bin ich überzeugt."

Beide Klubs eint, dass sie als ehemalige Bundesligisten zwischenzeitlich bis in die Oberliga abgestiegen waren. Soll es womöglich schon in dieser Saison nach oben gehen?

Bachthaler: "Realistisch betrachtet verbietet es sich nach dem siebten Platz aus der Vorsaison vom Aufstieg zu träumen. Zumal viele andere Vereine über außerordentliche finanzielle Möglichkeiten verfügen und die Liga insgesamt so stark wie nie ist. Dennoch werden wir alles dafür tun, um die Saison so erfolgreich wie möglich zu bestreiten. Wir müssen fleißig und inhaltlich gut arbeiten. Dann wird sich auch der Erfolg einstellen."

Wie ist Ihr aktueller Eindruck vom SSV Ulm?

Bachthaler: "Trotz des Abstiegs ist Ulm ein Traditionsverein mit einer großen Strahlkraft. Mit Daniel Jungwirth und Murat Isik in der sportlichen Verantwortung verfolgen sie einen klaren Spielstil, den sie auch in der Vorbereitung schon gut umgesetzt haben."

Worauf wird es für einen erfolgreichen Start ankommen?

Bachthaler: "Wir werden gut vorbereitet in das Spiel gehen und müssen die Dinge, die wir uns im Laufe der Vorbereitung erarbeitet haben, gut umsetzen. Unabhängig von unserer Herangehensweise wird wichtig sein, mutig und mit der nötigen Lockerheit in das Spiel zu gehen. Motivation wird keiner meiner Jungs benötigen. Die Kulisse wird fantastisch, alle freuen sich darauf."

Autor: Dominik Dittmar/MSPW