Interview mit David Stojak (Stuttgarter Kickers)

01.10.2026

Credit: IMAGO / Pressefoto Baumann

Stuttgart-Angreifer David Stojak vor Kickers-Duell: "Das ist ein Privileg"

Nach dem 2:2 beim neuen Spitzenreiter SGV Heilbronn-Freiberg wartet auf die Stuttgarter Kickers in der Regionalliga Südwest schon das nächste Duell mit einem Konkurrenten um die vorderen Plätze. Die Schwaben empfangen am Freitag (ab 19 Uhr) zum Auftakt des 10. Spieltages den Tabellenzweiten Kickers Offenbach zum Topspiel der Woche.

Dass die drittplatzierten Stuttgarter gegen den OFC die Möglichkeit haben, mindestens auf Platz zwei zu klettern, liegt auch an David Stojak. Der Angreifer erzielte gegen Heilbronn-Freiberg kurz vor Schluss den Ausgleich. Im Interview der Woche spricht der 21-Jährige über seinen Treffer und seinen Weg in den professionellen Fußball.

Hallo David! Mit dem Treffer in der 89. Minute konntest Du deinem Team noch ein 2:2 im Spitzenspiel beim SGV Heilbronn-Freiberg sichern. Wie war das für Dich?

Stojak: Das war ein sehr schöner Moment. Kurz nach meiner Einwechslung waren wir leider zum zweiten Mal in Rückstand geraten. Dass ich positiven Einfluss hatte und dem Team helfen konnte, noch einmal den Ausgleich zu erzielen, freut mich sehr. Als wir den hohen Ball gespielt hatten, habe ich mich instinktiv um meinen Gegenspieler herumgedreht - in der Hoffnung, dass Christian Mauersberger den Raum ebenfalls erkennt und noch einmal querlegt. Genauso ist es dann auch gekommen. Der Jubel war im ersten Moment groß, um dann den Blick wieder nach vorne zu richten und auf das Siegtor zu drängen. Das hat dann leider nicht mehr geklappt.

Siehst Du das Remis als gewonnenen Punkt oder zwei liegengelassene Zähler an?

Stojak: Ich habe da ein gemischtes Gefühl. Ich hatte eigentlich anhand der Spielanteile und der besseren Chancen schon den Eindruck, dass wir das bessere Team sind. Wie es dann bei der Torfolge gelaufen ist, geht das Unentschieden schon in Ordnung.

Wie schätzt Du nun deine Chancen ein, am Freitag im Topspiel der Woche gegen Kickers Offenbach zum zweiten Mal in dieser Saison zur Startelf zu gehören?

Stojak: Das werden wir sehen. Ehrlicherweise beschäftige ich mich damit auch nicht. Natürlich ist es für jeden Spieler der Antrieb, so viele Minuten wie möglich - im besten Fall von Anfang an - auf dem Feld zu stehen. Viel wichtiger ist mir aber, das Gefühl zu haben, dass ich der Mannschaft helfen und Einfluss auf das Spiel nehmen kann. Dafür gebe ich im Training und in den Spielen alles - gerne auch als Einwechselspieler.

Im Sommer 2023 konntest Du als A-Jugendlicher mit 14 Treffern in der Verbandsliga die Stuttgarter Kickers auf dich aufmerksam machen. Hattest Du damals noch die Hoffnung auf den Schritt in den professionellen Fußball?

Stojak: Im Prinzip hatte ich das schon abgeschrieben, denn besonders wahrscheinlich war das zu dem Zeitpunkt nicht mehr. Im Jahr zuvor hatte ich mich bei der bayerischen Polizei beworben, was im letzten Schritt leider nicht geklappt hatte. Nachdem ich nach meinem ersten A-Junioren-Jahr vorzeitig in das Verbandsliga-Team des FC Wangen hochgezogen wurde, hat es aber noch einmal eine andere Wendung genommen. Zu 100 Prozent gibt man den Kindheitstraum nie auf. Ich hätte im Alter von 13, 14 Jahren in das Internat des TSV 1860 München wechseln können. Mit meiner Familie habe ich mich aber dagegen entschieden. Beim FC Augsburg hatte ich mal ein Probetraining und war auch Teil der BFV-Auswahl. Die Corona-Pandemie hatte dann aber einiges durcheinandergewirbelt. Umso glücklicher bin ich nun, für einen so traditionsreichen Verein wie die Stuttgarter Kickers spielen zu dürfen. Das ist ein Privileg für mich.

Was waren für Dich in der Regionalliga Südwest die größten Umstellungen?

Stojak: Das Tempo ist ein ganz anderes. In den ersten Wochen musste ich mich zum Beispiel schon bei Pässen und bei der Ballannahme umstellen, was herausfordernd war. Auch körperlich waren viel Fleiß und Training notwendig, um zum Beispiel die teilweise zwei Einheiten am Tag gut zu bewältigen. Ich habe nach meinem Wechsel allein sieben, acht Kilo an Muskelmasse zugelegt. Die zwischenzeitliche Leihe in die Oberliga zum FC Nöttingen hat mir ebenfalls gutgetan. Durch die Spielpraxis bin ich mit viel Selbstvertrauen zu den Kickers zurückgekehrt.

Anfang Mai hast Du Dein Comeback nach einem Kreuzbandriss gegeben. Bei wie viel Prozent siehst Du dich mittlerweile?

Stojak: Ich bin fitter denn je, würde ich sagen. Die Reha war sehr gut verlaufen. Ich bin ein Mensch, der auch im Negativen noch etwas Positives sieht. Vor allem auf mentaler Ebene habe ich mich durch die Verletzung weiterentwickeln können. Im Fußball ist generell sehr viel auch Kopfsache.

Was war für Dich der schwierigste Abschnitt auf dem Weg zurück?

Stojak: Vor allem die Anfangszeit war unangenehm. Auf Krücken angewiesen zu sein und zu sehen, dass das nicht belastbare Bein zwischenzeitlich nur noch halb so breit war wie das andere, war nicht einfach. Normalerweise bin ich ein eher ungeduldiger Mensch. Ich habe es aber geschafft, vom Kopf her ruhig zu bleiben, um bis zum Comeback auch nichts zu überstürzen.

Was hat Dir durch diese Zeit geholfen?

Stojak: Vor allem meine Familie und meine Freunde. Ich habe während der Verletzung gelernt, die Dinge abseits des Platzes noch mehr wertzuschätzen. Der Fußball ist eine große Leidenschaft für mich, aber auch nicht alles. Auch mein Glaube an Gott hat mir sehr geholfen, ich gehe regelmäßig in die Kirche.

Zwischen Tabellenführer SGV Heilbronn-Freiberg und dem viertplatzierten SV Eintracht-Trier liegen gerade einmal drei Punkte. Wie schätzt Du die Situation ein?

Stojak: Wir haben genug Qualität, um auch weiterhin sportlich eine gute Rolle zu spielen. Dennoch gibt es auch Baustellen, an denen wir arbeiten. Da wäre nach dem Spiel in Heilbronn zum Beispiel unsere Chancenverwertung. Auch die Anzahl unserer Gegentore können wir noch senken. Unser Ziel ist es, von Woche zu Woche besser zu werden. Wir achten dabei nicht darauf, was die Konkurrenten machen. Beeinflussen können wir das ohnehin nicht.

Wie ist Dein Eindruck vom kommenden Gegner Kickers Offenbach?

Stojak: Dass der OFC durch die Heimniederlage gegen den VfR Aalen die Tabellenführung verloren hat, ändert für uns nichts. Beide Teams stehen sportlich gut da. Das wird neben der auch so schon großen Fan-Unterstützung beider Klubs für eine noch bessere Atmosphäre sorgen. Wir freuen uns sehr auf das Duell.

Was wird für Euch wichtig sein?

Stojak: Mit den Fans auf unserer Seite wollen wir den Vorteil des Heimspiels nutzen. Wir müssen über den Kampf ins Spiel finden und die Kulisse mitreißen. Dafür dürfen wir zu keinem Zeitpunkt auch nur einen Meter weniger laufen.

Autor: Dominik Dittmar/MSPW